Teil 2 Krisenmanagement bei Wirtschaftskriminalität

Teil 2 Krisenmanagement bei Wirtschaftskriminalität

Schritte 1-3 der Umsetzung eines Krisenmanagements bei Wirtschaftskriminalität

In Teil 1 von Krisenmanagement bei Wirtschaftskriminalität wurden Erfolgsfaktoren und die theoretische Vorgehensweise beleuchtet. In dem heutigen Teil geht es um die Schritte 1-3 der konkreten Umsetzung im Krisenfall.

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1. Erfassung

Bei der Feststellung der Ausgangslage geht es auch darum, die zugrundeliegende Problematik zu verstehen und objektiv zu erfassen. Nicht selten werden von den betroffenen Verantwortlichen die aus ihrer Sicht wesentlichen Probleme genannt, jedoch das Gesamtbild noch nicht umfassend erkannt. Es gilt in dieser ersten Phase, dieses Gesamtbild zu skizzieren. In der Praxis werden dazu Schaubilder erstellt, die Informationen liefern zu Personen, Beziehungen, Handlungen, Hintergründen, geografischen Standorten, Transaktionen, Waren- und Geldflüssen, Verträgen etc. Um ein Gesamtbild zu erhalten, werden die bereits vorhandenen Fakten gesammelt und eingeordnet. Durch diese Informationen werden Tatsachen erfasst.

Je nach Ausgangslage werden die Fakten in Teilaspekte zerlegt, und es erfolgt eine erste Beurteilung. Diese ist, da nicht abschließend, Teil der Hypothesenarbeit. In der Praxis wird sich in der Regel zu diesem Zeitpunkt des Ereignisses auf die folgenden Teilaspekte fokussiert:

  • Schlüsselpersonen/ „Custodians“
  • Handlungsorte und Territorien („Cyber“)
  • Sachverhaltsermittlung
  • Interessengruppen und Umfeld („Stakeholder“)
  • Medien (reale und virtuelle)

Als erster Überblick und vorbereitend für die anschließende Situationsbeurteilung erfolgt die Beurteilung der Teilaspekte unter folgenden Kriterien:

  • 1. Zuständigkeit
  • 2. Priorität
  • 3. Sofortmasnahmen
  • 4. Aufgabenumschreibung
  • 5. Handlungsrichtlinien

Es handelt sich in der Phase der Erfassung um die Sammlung bestehender Tatsachen zur aktuellen Situation und die Vorbereitung der anschließenden Situationsbeurteilung. Ziel ist, dass die Betroffenen und auch die hinzugezogenen Experten Klarheit über die Ausgangslage erhalten.

2. Beurteilung

Die nächste Phase beinhaltet die Würdigung und Beurteilung der aktuellen Ausgangslage. Primär wird gesichtet, verstanden und erste Schlüsse gezogen. Es erfolgt eine Einschätzung der Situation unter Berücksichtigung sämtlicher gesammelten Fakten, die in diesem Stadium gesichtet wurden. Diese Einschätzung wiederum legt die Basis für die Entscheidungsfindung im übernächsten Schritt dieses Prozesses. Je nachdem, wie ein Unternehmen oder eine Organisation bezüglich seines Krisenmanagements bei wirtschaftskriminellen Ereignissen aufgestellt ist, erfolgt zu diesem Zeitpunkt auch die Einordnung der Ereignisse. Die bereits in der ersten Phase identifizierten Teilaspekte lassen sich wiederum entsprechend ihrer Ausprägungen analysieren und priorisieren. Die Vorgehensmethode, die in diesem Zusammenhang der Teilaspekte für Verständnis und Klarheit sorgt, ist das bekannte Schema „Aussage – Erkenntnis – Konsequenz (A-E-K)“.

3. Selbstschutz

Ein wesentlicher Baustein im Rahmen der Sofortmaßnahmen ist der sogenannte Selbstschutz. Diese „goldene Seemannsregel“ findet auch bei den im übertragenen Sinne „stürmischen Zeiten“ für das Unternehmen ihre Berechtigung:

Eine Hand für den Mann, eine für das Schiff.

Die Eigenverantwortung im Rahmen wirtschaftskrimineller Ereignisse muss zwingend wahrgenommen werden können und auch wahrgenommen werden. Das heißt, dass es zwingend notwendig ist, die Verantwortlichen bei diesem Unterfangen zu unterstützen.

In der Phase der Reaktion auf Ereignisse sieht es jedoch anders aus. Genau dieser Baustein des Selbstschutzes wird verdrängt, ignoriert oder ersatzlos gestrichen. Die Auswirkungen sind verheerend und gefährden die Reputation des Individuums genauso wie die der betroffenen Organisation. Auch sämtliche Stake- und Shareholder werden in Mitleidenschaft gezogen. Aus diesen Gründen lohnt es sich, dem Thema trotz möglicher Beratungsresistenz der Verantwortungsträger große Bedeutung beizumessen. Im gesamten Prozess dieser Sofortmaßnahmen kann dieser Schritt der Faktor sein, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.

Primär ist das Ziel des Selbstschutzes, den Schaden zu begrenzen, indem eine fundierte, effektive und sehr effiziente Risikoanalyse erstellt wird. Dies soll innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums erfolgen. Basierend auf der umfassenden Risikoanalyse, die die vorliegenden Fakten der aktuellen Ausgangslage berücksichtigen, können die notwendigen Sofortmaßnahmen erarbeitet und eingeleitet werden. Dazu gehört:

  • dass zusätzliche Informationen für die Ereignisbewältigung beschafft werden
  • Die Vororientierung interner und externer Stellen („Stakeholder“) wird in die Wege geleitet
  • Die Vorbereitung auf die bevorstehende Medienkommunikation hat hohe Priorität
  • Der Aspekt der Orientierung bedarf einer strategischen Analyse und bildet einen wesentlichen Faktor für den weiteren Verlauf der Ereignisbewältigung
  • Im Rahmen der Sofortmaßnahmen müssen vorhandene Fakten in Form von Beweisen sichergestellt werden
  • Die entsprechenden Experten müssen zeitnah vor Ort sein können, um diese Vorkehrungen zu treffen
  • Die Definition der Beteiligten erfolgt aufgrund der aktuellen Ausgangslage, und entsprechende Experten werden hinzugezogen

Nächste Woche stellen wir Ihnen den dritten Teil dieser Serie zur Verfügung. Dann lesen Sie über die konkrete Umsetzung der Schritte 4-6 des Crime Management Crime Management Scheme.

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