Teil 3 Krisenmanagement bei Wirtschaftskriminalität

Teil 3 Krisenmanagement bei Wirtschaftskriminalität

Schritte 4-6 der Umsetzung eines Krisenmanagements bei Wirtschaftskriminalität

In dieser 3-teiligen Serie erhalten Sie Informationen zum Krisenmanagement. In Teil 1 wurden die Erfolgsfaktoren sowie das theoretische Schema für das Krisenmanagement näher beschrieben. In Teil 2 ging es um die Schritte 1-3 der Umsetzung des Schemas in der Praxis.

Schachfiguren
4. Entscheidung

Die Phase der Entscheidung umfasst die Festlegung der Strategie und dient als Basis für die Planung und Auftragserteilung. Mit den gewonnenen Erkenntnissen aus den Phasen der Erfassung, Beurteilung und des Selbstschutzes werden die ersten Hypothesen erarbeitet. Diese bleiben dynamisch im Sinne einer laufenden Anreicherung durch neue Fakten im Verlauf der Sachverhaltsermittlung. Die Hypothesen dienen der Erarbeitung von Aufträgen und Arbeitspaketen zur Sachverhaltsermittlung.

Die ausformulierte Strategie sollte im Wesentlichen folgende Themen berücksichtigen:

  • 1. Ziel
  • 2. Rechtslage
  • 3. Zeit
  • 4. Einflussfaktoren
  • 5. Ereignis
  • 6. Ressourcen und Möglichkeiten (eigenes Personal, Dritte, Spezialisten etc.)

Die Zielsetzung umfasst den Gesamtauftrag sowie die Spezifikationen, wie das Ereignis bzw. die Krise bewältigt werden soll. Auch die Vorgehensweise und die beabsichtigten nächsten Schritte nach der Sachverhaltsermittlung sollen berücksichtigt werden. Wenn von vornherein klar ist, dass man keine Strafanzeige stellen will, soll diese Entscheidung bereits einfließen.

In der Praxis sind genau diese Fragestellungen zum übergeordneten Ziel ein wesentlicher Faktor, der die Arbeit für das interne und externe Team der Sachverhaltsermittlung unterstützt. Je klarer die Zielsetzung, desto effektiver und effizienter die Umsetzung der „Feldarbeit“. Eine Erstbeurteilung der Rechtslage berücksichtigt das Ereignis als solches sowie die rechtlichen Bedingungen und Einflüsse, die für die Sachverhaltsermittlung von Bedeutung sind. Die Erstbeurteilung soll sich im Laufe der Ermittlungen verdeutlichen.

Der Zeitrahmen umfasst die Dringlichkeit der Ausgangslage und die Verfügbarkeiten der definierten notwendigen Ressourcen. Zu berücksichtigen sind zusätzlich die Rahmenbedingungen involvierter Parteien sowie mögliche Einflüsse, die auf den Faktor Zeit einwirken könnten. Unter dem Prozessschritt „Selbstschutz“ werden im Rahmen der Risikoanalyse mögliche wesentliche Einflussfaktoren miteinbezogen. Diese finden nun ihren Niederschlag auch in der Strategie. Zu berücksichtigen sind zumindest Umweltfaktoren, Standort des Ereignisses sowie Politik und Medien, wobei ein hoher Grad an Sensibilisierung bezüglich des Umgangs mit den sozialen Medien unbedingt erforderlich ist. In das Szenario Ereignis als solches sollen bereits erarbeitete Fakten und Hypothesen zu Dimension, Ausmaß, potenzieller Entwicklung und Auswirkungen sowie der Wahrnehmung der Stakeholder und der breiten Öffentlichkeit einfließen.

Dass es sich dabei teilweise um einen Blick in die Zukunft handelt und der Ausgang ungewiss ist, steht außer Diskussion. Das Denken in Szenarien ist dennoch wichtig und notwendig, um die Betroffenen entsprechend zu schützen. Basierend auf den ersten fünf strategisch wichtigen Punkten folgen die Ressourcen. Nicht immer ist gewährleistet, dass ein Unternehmen oder eine Organisation intern auf sämtliche definierten Experten zurückgreifen kann. Aus diesem Grund ist es erfolgsentscheidend, dass sich die Verantwortlichen bereits im Vorfeld eines Ereignisses über die Hinzuziehung von externen Experten Gedanken machen. Dies hat sich in der Praxis bewährt, da punktuell auf die Expertise zurückgegriffen werden kann, was für die betroffenen Unternehmen finanziell, zeitlich und organisatorisch von großem Nutzen ist.

5. Planung

Als Ergebnis der Strategie erfolgt deren Umsetzung durch die Bestimmung konkreter Verantwortlicher, deren Kompetenzen und der entsprechenden Aufgabenzuteilung. Die Zuteilung von Aufgabenbereichen könnte folgendermaßen aussehen:

  • Schlüsselpersonen (im Angelsächsischen auch „Custodians“ genannt)
  • Handlungsorte und Territorien („Cyber“), die auch Schließanlagen, Zugangssicherungen, Netzwerksysteme beinhalten
  • Sachverhaltsermittlung mit sämtlichen Methoden in Form von Beweismittelerhebung, Interviewdurchführung und Berichterstattung über die Fakten
  • Interessengruppen und Umfeld („Stakeholder“) – Betreuung
  • Medienarbeit (reale und virtuelle) in Form von Medienbetreuung, Informationsstelle, Analyse der Markt- und Medienreaktionen unter Berücksichtigung der sensitiven Ausgangslage

Während jeder Sachverhaltsermittlung gibt es große Schnittstellen zwischen den verschiedenen Aufgabenbereichen. Entsprechend ist es wichtig, dass sowohl die Erkenntnisse rund um die Thematik des Faktors „Mensch“ als auch die eigene Befangenheit ausführlich beleuchtet und berücksichtigt werden. Eine Sachverhaltsermittlung ist nur so professionell, effektiv und effizient wie das Team in seiner Interaktion untereinander und gegenüber den Hypothesen und Fakten. Diesem Umstand muss zwingend Rechnung getragen werden.

6. Auftrag

Die Auftragserteilung bedarf einer hohen Klarheit, Genauigkeit und Abgrenzung. Die Definition der Verantwortlichkeiten umfasst die klare Bezeichnung der Sache, den Einbezug von internen oder externen Experten sowie die Auftragserteilung als solche.

Die Zuteilung von Arbeitspakten, basierend auf den vorangegangenen Prozessschritten, kann zum Beispiel in Anlehnung an die Struktur des bekannten 5-Punkte-Befehls erfolgen:

  • 1. Orientierung
  • 2. Absicht
  • 3. Aufträge
  • 4. Besondere Anordnungen
  • 5. Standorte

Die Auftragserteilung ist ein bedeutender Bestandteil bei der präventiven Erarbeitung der Vorgehensweise im Ereignisfall. Die Unternehmen und Organisationen sind, was ihre kulturellen Eigenschaften betrifft, sehr unterschiedlich. Entsprechend sind die individuellen Eigenheiten im Vorfeld zu prüfen und basierend darauf die Auftragsvergabe zu definieren.

Wir hoffen diese 3-teilige Serie hat Ihnen gefallen und freuen uns über Ihr Feedback.

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